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Vom deutschen Bauernhof auf die amerikanische Farm: Ernest Gotthilf Kemmner

Aktualisiert: Jan 4

Am Dienstag, den 13. Januar 1891 morgens um sechs Uhr wurde mein Urgroßonkel Ernest Kemmner als elftes Kind von Friederike und Matthäus geboren. Er wurde auf den Namen Ernst Gotthilf getauft, nannte sich jedoch später selbst Ernest. Im Taufregister wird sein Vater als Bauer und Gemeinderat beschrieben. Die Taufe wurde am folgenden Freitag, den 16. Januar um 14 Uhr Nachmittags durch Pfarrer Hartmann durchgeführt. (Evangelische Kirche Unterensingen, 1925)

Ernest Kemmner Unterensingen
Verwandschaftsbeziehung von mir zu meinem Urgroßonkel Ernest Kemmner (eigene Darstellung).

Da die Eltern Friederike und Matthäus Cousin und Cousine waren, haben sie sich einige Taufpaten aus dem gemeinsamen Stammbaum ausgesucht:


Johannes Friedrich Balz, Bauer in Unterensingen war Friederikes Cousin sowie Ehemann von Luise Balz, die als stellvertretende Taufpatin ausgewählt wurde. Luise war eine Cousine beider Elternteile. Maria Kemmner, ledig aus Oberbohingen ist vermutlich die Schwester der Mutter, die erst nach der Taufe von Ernest heiratete. Als weiterer Vertreter wurde Johann Georg Schmid, Gemeinderat ausgewählt. Johann war der Ehemann von Friederikes und Matthäus Cousine Maria.

(Evangelische Kirche Unterensingen, 1925)


Ernest Kemmner Taufpaten Unterensingen
Ernest und die Verwandschaftsverhältnisse zu seinen Taufpaten (eigene Darstellung).

Ernest war das elfte Kind der Familie, von denen allerdings insgesamt nur sechs ihre Kindheit überlebten (Evangelische Kirche Unterensingen, 1937). Als jüngster Sohn mit einigen älteren Geschwistern musste er vermutlich nicht allzu hart mit anfassen. Die Familie lebte in einem Bauernhaus in Unterensingen, in dem auch heute noch meine Großtante lebt.

Ernest Kemmner Unterensingen
Ernests Elternhaus im Dorfkern von Unterensingen (eigene Darstellung).

Er besuchte vermutlich die Volksschule in Unterensingen und wurde 1905 konfirmiert (Evangelische Kirche Unterensingen, 1937). Da Ernest Bauer wurde, ist davon auszugehen, dass er keine Lehre machte, sondern zunächst Aufgaben auf dem elterlichen Hof übernahm. Die Familie besaß einige Felder im Umkreis des Dorfes, die mit Kühen bewirtschaftet wurden. Der Kuhstall befand sich damals im Erdgeschoss des Wohnhauses, um die Stuben in der ersten Etage zu heizen. (Kemmner, 2010)


Gustav Kemmner Ernest Kemmner Unterensingen
Das Gemälde von Gustav Kemmner zeigt das Dorfleben in Unterensingen (Hergenröder, Breig, Melchinger & Kaßberger, 2004).

Meine Tante 3. Grades Crystal, Ernests Enkelin, hat mir bei den Recherchen sehr geholfen. Sie hat ihrer Mutter Elsie, Ernests Tochter, viele Fragen gestellt. Diese erinnert sich, dass ihr Vater von einem gebrochenen Bein erzählte. Ernest hatte es auf einem Stuhl ruhen lassen, doch sein Vater Matthäus warf sein Bein vom Stuhl runter. Dieses Erlebnis muss sehr schmerzhaft gewesen sein. (Gustafson, 2019).


Ernest hatte eine Vorliebe für Apfelmost, denn später erzählte er seiner Tochter, wie sehr er diesen aus Deutschland vermissen würde (Gustafson. 2019). Die Familie besaß damals eigene Obstwiesen und stellte den Apfelmost aus den geernteten Äpfeln selbst her (Kemmner, 2019).


Besonders mit seiner älteren Schwester Emma verstand er sich gut. Seine Tochter Elsie erzählte, dass er besonders von ihr häufig sprach. Ernest besaß später ein Foto seiner Schwester mit ihren beiden Kindern Eugen und Elsa. (Gustafson. 2019).


Verfolgt man Ernests Spur weiter, findet man ihn auf einer Passagierliste nach Amerika (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1913). Mein Opa wusste, dass sein Onkel dorthin ausgewandert war, leider war der Kontakt nach dem 1. Weltkrieg abgebrochen. Warum Ernest ausgewandert war, ist nicht ganz klar. Mein Opa, der jedoch erst lange nach Ernests Auswanderung geboren wurde, erinnerte sich an folgende Geschichte: Ernest musste gehen, weil er eine Liaison mit einem Birk-Mädchen hatte, die nicht akzeptiert wurde (Kemmner, 2019). Ernests Tochter Elsie hingegen ging davon aus, dass er nach Amerika auswanderte um dem Kriegsdienst zu entgehen (Gustafson, 2019).


Am 14. Juni 1913 bestieg Ernest mit 22 Jahren die S. S. Lapland in Antwerpen und reiste nach New York. Er reiste in der zweiten Klasse des Ozeandampfers und kam am 22. Juni, nur acht Tage später, in New York an. Bei der Einreise machte er folgende Angaben über sich: Ernest war alleinstehender Bauer, er konnte lesen und schreiben. Als Kontaktperson vermerkte er seinen Vater Matthäus Kemmner. Seine Körpergröße war 160 cm, seine Hautfarbe hell, die Haare braun und die Augen blau. (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1913)

(Titanic WhiteStarLine, 2012)


Obwohl die Überfahrt zu dieser Zeit bereits deutlich komfortabler war, als nur wenige Jahre zuvor, so war die Reise dennoch ungewiss. Wie Ernest die Reise wohl empfunden hat?


Ernest gab an nach Brewster, Minnesota zu seinem Onkel Karl Rickert zu reisen (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1957). Dieser Onkel war jedoch nicht sein echter Onkel. Ernests Tochter Elsie erinnert sich, dass es ein Onkel der Ehefrau einer seiner Brüder war (Gustafson, 2019). Ich recherchierte also weiter und konnte herausfinden, dass dieser Karl Rickert aus Steinbrück in Deutschland stammte (National Archives and Records Administration United States, o. J. b). Steinbrück war der Geburtsort von Ernests Bruder Christians Ehefrau Emma (Evangelisches Kirche Geisselhardt, 1906). Leider habe ich die genaue Verbindung bisher jedoch nicht gefunden.


Über seine Reise ist weiter nichts bekannt, er hat nie von der Überfahrt oder seiner Weiterreise nach Minnesota erzählt (Gustafson, 2019). Ernst kam am 25. Juni 1913 in Minnesota an (United States of America, 1913), brauchte also nur wenige Tage für die Strecke. Es gab zu der Zeit bereits eine Zugstrecke durch und einen Bahnhof in Brewster (Stenett, 1908). Vermutlich ist er also mit dem Zug angereist. Wahrscheinlich hatte er nichts weiter dabei als seine Kleidung (Gustafson, 2019).

Ernest Kemmner Brewster Postkarte USA
Die Hauptstraße von Brewster, Minnesota, USA auf einer Postkarte aus dem Jahr 1908 (Wilson, 1908).

Im Mai 1916 füllt Ernst seine Declaration of Intention aus, erklärt also beim Staat, dass er amerikanischer Staatsbürger werden möchte. Er gibt an in Weimar Township, Jackson County zu leben und Farmer zu sein. Mittlerweile beschreibt er seinen Teint als dunkel - vermutlich ist er durch die viele Sonne bei der Feldarbeit gebräunt worden. (United States of America, 1916).


Ernest Ernst Kemmner
Ernest Kemmner (Privatbesitz von Gustafson, C.).

Am 5. Juni 1917 muss sich Ernest zum Dienst im ersten Weltkrieg in Okabena registrieren (National Archives and Records Administration United States, o. J. a; State of Minnesota, 1918). Dabei gab er als Adresse Heron Lake, Minnesota an (National Archives and Records Administration United States, o. J. a). Er arbeitete als Farmarbeiter auf einem Bauernhof in West Heron Lake Township bei Joe Silrant (National Archives and Records Administration United States, o. J. a). Seine Seriennummer lautete 1079 (National Archives and Records Administration United States, o. J. a), später nennt er 1075 als seine Nummer (State of Minnesota, 1918).


Auf einer historischen Landkarte von 1936 konnte ich den Bauernhof vom Arbeitgeber Joseph Silvrants finden: Es handelt sich um ein kleines Stück Land im Norden von West Heron Lake Township (Central Atlas Co., 1936). Es ist also durchaus möglich, dass Ernest in der Ortschaft Heron Lake wohnte, wie er selbst auf seiner Registrierung angibt.


Gegen Ende des Jahres 1917 erließ President Wilson eine Verordnung, dass sich alle in Deutschland geborenen Personen, die noch nicht eingebürgert wurden, in einem lokalen Gericht registrieren müssen (FamilySearch, 2019). Dieser Verordnung ging Ernst am 22. März 1918 nach (State of Minnesota, 1918). Er gibt im Fragebogen an, mittlerweile seit fünf Jahren in den USA zu leben (State of Minnesota, 1918). Außerdem kann er English sprechen, aber nicht schreiben (State of Minnesota, 1918). Sein Geld verdient er mit Farm Work (State of Minnesota, 1918). Auf die Frage, ob seine männlichen Verwandten im ersten Weltkrieg entweder für oder gegen die USA gekämpft haben, antwortet er: „yes, 4 brothers, all with German army“ (State of Minnesota, 1918). Diese vier Brüder waren Christian Friedrich, Karl Hermann, Gottlieb Friedrich und Karl Eugen. Eugen ist leider 1915 gefallen. Ernst gibt weiterhin an, kein Land in Minnesota oder einem anderen Bundesstaat zu besitzen, verfügt jedoch über ein Vermögen von 120 Dollar, u. a. bei der Liberty Bank (State of Minnesota, 1918).


Fünf Jahre nach der Intention auf Declaration, die Ernst 1913 eingereicht hatte, durfte er nun einen Antrag auf Einbürgerung stellen. 1918 hatte das bei einem ersten Versuch jedoch nicht geklappt, weil sein Sponsor, der ein gutes Wort für ihn einlegen sollte nur halbherzig vorsprach: Auf die Frage, ob Ernest ein guter Staatsbürger werden würde, antwortete er, sicherlich mit guten Absichten, aber dennoch unüberlegt: „Er hoffe es“. (Gustafson, 2019).


Ein Jahr später, im März 1919 versuchte er es erneut. Als Zeugen brachte er William Hartman und August Treking mit, die beide Bauern waren. (United States of America, 1913).


Bis zu seiner Einbürgerung verging jedoch noch einige Zeit: Im Mai 1921 wurde die Einbürgerung aufgrund fehlendem Wissen zur „form of government, etc.“ zunächst verschoben. Im Dezember 1921 klappte etwas mit den Sponsoren nicht. Erst am 15. Mai 1922 wurde Ernst dann endlich amerikanischer Staatsbürger. Sein Einbürgerungszertifikat trug die Nummer 1616054. (United States of America, 1922)


Im Census 1920 habe ich Ernest bisher nicht gefunden. Da er ohne Familie in Heron Lake war, könnte es sein, dass er zu den Befragungszeiten arbeitete und daher nicht gelistet wird.


Als die katholische Kirche um 1920 in Heron Lake erbaut wurde, half Ernest beim Bau mit. Jedes Kirchenmitglied musste seinen Teil dazu beitragen. Ernest war zwar evangelisch, wurde aber von einem Mitglied der Kirche dafür bezahlt, dessen Pflicht zu übernehmen (Gustafson, 2019).


Heron Lake Sacred Heart Catholic Church
Sacred Heart Catholic Church in Heron Lake (LakesnWoods, 1940).

Da Ernest alleinstehend war und eine Ehefrau suchte, bat er einen seiner Brüder ihm eine Braut aus der Heimat zu suchen. Das hatte wohl zunächst nicht geklappt. Bei einem zweiten Versuch wurde ihm jedoch eine Braut nach Amerika geschickt. (Gustafson, 2019).


Diese Dame hieß Katherine Bolai, kam aus Stuttgart und ist 1924 auf der Passagierliste der SS Hansa zu finden, ihre Reise startete am 21. August 1924 (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1924). Sie gab als ihren Verwandten in Deutschland ihren Bruder in Urach an, ihr Zielort war Brewster, Minnesota und als nächsten Verwandten nannte sie ihren Verlobten Ernest Kemmner (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1924).

Ernests Tochter erinnert sich, dass diese junge Frau jedoch auf der Überfahrt jemand kennengelernt hatte und daher letztlich doch nicht nach Minnesota zu Ernest gereist ist (Gustafson, 2019). Tatsächlich könnte die Geschichte so oder so ähnlich stattgefunden haben: Bei meiner Recherche nach Katherine Bolai, stieß ich auf einen Heiratsindex aus Buffalo, New York indem eine Katherine Bolai am 16. Juli 1927 einen Carl Mayer heiratet (New York State Department of Health, 1927). Bei der Suche nach einem Carl Mayer, der etwa zeitgleich mit Katherine ab Hamburg ausgereist ist, fand ich dann einen passenden jungen Mann, der am 31. Juli 1924 ab Hamburg mit dem Schiff „Pittsburgh“ in der dritten Klasse nach Amerika reiste (Staatsarchiv Hamburg, 1924).


Sowohl Carl als auch Katherine gaben als Geburts- bzw. Wohnort Böhringen an (Records of the Immigration and Naturalization Service, 1924; Staatsarchiv Hamburg, 1924). Wie genau sich Katherine und Carl kennenlernten lässt sich nicht rekonstruieren. Es scheint aber gut möglich zu sein, dass die beiden bereits gemeinsam nach Hamburg zum Hafen gereist sind. Katherine und Carl Mayer sind auch in den Jahren 1930 und 1940 im Census von Buffalo zu finden, sie haben keine Kinder bekommen (United States of America, 1930a; United States of America, 1940a).


Ernsts Tochter berichtet, dass ihr Vater etwa 1925 dann eine Haushaltshilfe suchte und so seine spätere Ehefrau Gussie kennenlernte (Gustafson, 2019). Gussie Minor kam aus Illinois und war im Census von 1920 als Witwe mit vier Kindern gelistet (United States of America, 1920).


Sie hatte 1906 mit nur 16 Jahren ihren Ehemann Ashby Jenkins geheiratet (Illinois County Marriages, 1906). Die beiden hatten fünf gemeinsame Kinder: Harlan, Beulah, Edith und die Zwillinge Ivan und Vivian. Leider ertrank Ivan, nach dem Wissen von Ernests Tochter, mit etwa einem Jahr (Gustafon, 2019).


Obwohl Gussie als Witwe gelistet war, wurde der Tochter erzählt, die Mutter hätte sich scheiden lassen (Gustafson, 2019). Die Recherche nach Gussies Exmann Ashby ergab, dass er keineswegs gestorben war, sondern später erneut heiratete. Doch auch er berichtete 1969 dass seine Frau Gussie verstorben war: „He was married to Gussie Minor. After her death he married Marry Hall Campbell in 1945“ (The Pantagraph, 1969).


Sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts scheiden zu lassen war besonders für Frauen sehr schwierig, da Frauen nur wenige Rechte hatten und eine Scheidung als verwerflich galt (Strauss, o. J.). Wie genau und aus welchen Gründen sich Gussie von ihrem Ehemann trennte und ob das ganze im Einverständnis geschah, weiß ich nicht. Sie behielt jedoch ihre Kinder und suchte sich als Haushaltshilfe eine selbstständige Arbeit. Vermutlich wollte sie auch an einem anderen Ort ein neues Leben aufbauen.


Verwandte ihres Exmannes waren laut Ernests Tochter nach Worthington, Minnesota gezogen, nur etwa 30 Kilometer entfernt von Heron Lake, wo Ernest lebte. Vermutlich hatte dort jemand von Ernests Suche gewusst und den Kontakt hergestellt. Gussie war vier Jahre lang seine Haushälterin (Gustafson, 2019). Am 6. April 1929 heirateten die beiden (Minnesota Official Marriage System, o. J.) - fast auf den Tag genau 23 Jahre nach Gussies erster Hochzeit.


Vor der Geburt ihrer Tochter Elsie lebte das Paar vermutlich mit ihren Kindern im sogenannten Obermiller Gebäude, daran erinnert sich die Tochter (Gustafson, 2019).


Am 9. März 1930 kam ihre gemeinsame Tochter Elsie zur Welt. Ernest war bereits 39 Jahre alt, seine Frau sogar ein Jahr älter.


Ernest und Gussie Kemmner mit Tochter Elsie 1930
Gussie und Ernest mit ihrer Tochter Elsie Anfang 1930 (Privatbesitz von Gustafson, C.).

Nur etwa einen Monat später, am 5. April 1930 wurde die Familie für den Census befragt: Das Paar lebte mit der gemeinsamen Tochter Elsie sowie mit Edith und Vivan aus Gussie’s erster Ehe in Hershey Township in Nobles County (United States of America, 1930b). Elsie erinnert sich, dass die Familie gerade auf die sogenannte „Berenwald“ Farm gezogen war, als sie geboren wurde (Gustafson, 2019). Im Census taucht ebenfalls ein Lodger namens Emil Hildebrandt auf (United States of America, 1930b).


Nachbarn waren unter anderem die Familie Obermueller aus Deutschland, die zwischen 1920 und 1925 ausgewandert waren: John und Marie Obermueller mit den Kindern Heinz und Eric (United States of America, 1930b). Ernests Tochter erinnert sich, dass ihre Eltern sehr gut mit Obermuellers befreundet waren und ihre Tochter sie mit zweitem Namen sogar nach Marie benannt wurde (Gustafson, 2019).


Elsie erinnert sich, dass die Familie etwa 1936 wieder umzog. Die "Berenwald" Farm wurde an Familie Pittman verkauft. Als Ernest mit seiner Familie aus- und die Pittmans einzogen, kam ein schwerer Sturm auf, sodass beide Familien mit ihren Tieren für vier Tage gemeinsam im Haus bleiben mussten. Als der Sturm vorbei war, zog die Familie auf eine Farm in Hersey Township, nur wenige Kilometer von Brewster entfernt, weshalb Elsie die Schule im Ort besuchte. (Gustafson, 2019)


Die Familie kaufte dann eine Farm in Ewington Township (Gustafson. 2019), in der sie auch bei der Census Befragung 1940 wohnten (United States of America, 1940b). Gussies Kinder waren mittlerweile ausgezogenen (United States of America, 1940b).


Die Familie hatte zwischenzeitlich einen Jack Russel, den die Tochter Elsie sehr liebte und viel mit ihm spielte. Elsie erinnert sich jedoch, dass er eines Tages verschwunden war, vermutlich war er überfahren worden und die Eltern sagten ihrer Tochter nichts. (Gustafson, 2019)


Da Elsie die meiste Zeit ihrer Kindheit als einziges Kind bei Ernest und Gussie aufwuchs - ihre Halbgeschwister waren deutlich älter und sind schnell ausgezogen - wurde sie für alles verantwortlich gemacht, was schief lief. (Gustafson, 2019)


Ernest Kemmner mit Familie Elsie Gussie
Ein Familienfoto von Ernest mit seiner Frau Gussie und seiner Tochter Elsie (Privatbesitz von Gustafson, C.).

Leider wissen wir nicht, ob Ernest in Minnesota ein glückliches Leben führte. Seine Tochter berichtet, dass er starke Kommunikationsprobleme hatte. Das Englische fiel ihm wohl sehr schwer und er hatte sein Leben lang Probleme die Sprache zu lesen, zu schreiben und sie zu sprechen. Noch als alter Mann laß er häufig aus seiner deutschen Bibel, die seine Tochter Elsie ihm schenkte. (Gustafson, 2019)


Seine Kommunikationsprobleme könnten auch zu finanziellen Problemen geführt haben, denn er war leicht auszunutzen. Auch seine Tochter Elsie hatte später das Gefühl er hatte während seines Lebens viele Farmen gekauft und dann wieder verloren. Nur seine Frau Gussie versuchte das Schlimmste zu vermeiden: Sie war klug und konnte sehr gut rechnen. (Gustafson, 2019)


Ernest Ernst Kemmner
Ernest Kemmner (Privatbesitz von Gustafson, C.).

Mit 51 Jahren muss sich Ernest dann zum Dienst im zweiten Weltkrieg melden. Er gibt auf seiner Einzugsregisterkarte von 1942 immer noch Ewington Township als Wohnort an, seine Postadresse lautet Route 2 Brewster. Er beschreibt sich als selbstständig und arbeitet auf seinem eigenen Hof. Vermutlich kannte der Postbote die Bauern auf dieser Strecke, weshalb keine genauere Adresse nötig war. Zu dieser Zeit hatte die Familie noch kein Telefon. (The National Archives at St. Louis, 1942).


In Ernests Heimat Unterensingen hatte man schon lange nichts mehr von ihm gehört (Kemmner, 2010). Jedoch berichtete ein Kriegsgefangener namens Dettinger aus Unterensingenen ihn während seiner Gefangenschaft in Amerika getroffen zu haben (Kemmner, 2019).


Ernest soll zum Gefangenenlager gekommen sein und fragte, ob jemand aus Nürtingen, dem nächstgrößeren Ort, stamme. Die beiden unterhielten sich wohl kurz und Ernest erzählte, dass er Farmer in den USA geworden sei. Zurück in der Heimat sorgte diese Information natürlich für Freude und Aufsehen. (Kemmner, 2019).


Im Verlauf seines Lebens lebte Ernest vermutlich in Weimer Township, Heron Lake und West Heron Lake Township, in einem sogenannten Obermiller-Haus, auf der Berenwald Farm und einer weiteren Farm in Hersey Township, kaufte und verkaufte dann eine Farm in Ewington Township bevor er irgendwann zwischen 1942 und 1948 eine Farm in Graham Lakes Township mit einer tollen Scheune mit Treppen in den Heuboden kaufte. (Gustafson, 2019).



1948 heiratete die 18 jährige Tochter Elsie ihren Mann Kemith Dale Gustafson. Sie feierten ihre Hochzeit in eben dieser Scheune. (Gustafson, 2019).


Später litt Ernest stark unter Arthritis im unteren Rücken. Er durchlief einige Behandlungen um die Schmerzen zu lindern. So verbrachte er zwei Winter in Arizona, wo es heiß und trocken ist (Flexcin, o. J.), ließ sich mit Schlammbädern behandeln, und suchte Heilung in South Dakota und Missouri. Um die Schmerzen zu lindern, lief er mit Krücken herum. (Gustafson, 2019)


Ernest Kemmner Gussie Kemmner
Ernest auf Krücken mit seiner Frau Gussie (Privatbesitz von Gustafson, C.).

Mitte der 50er Jahre wurde Ernest plötzlich krank. Er musste aufgrund eines Darmverschlusses im Krankenhaus operiert werden. Weil sein Darm auch nach zwei Wochen einfach nicht heilen wollte, wurde er nach Minneapolis ins Klinikum gebracht. Letztlich bekam er eine Lungenentzündung und hatte Probleme beim Atmen. (Gustafson, 2019).


1962 stirbt Ernests Ehefrau Gussie (State of Minnesota, 1962). Nur ein Jahr später stirbt auch Ernest. Die beiden sind in auf dem Trinity Cemetery in Brewster beerdigt. (Findagrave, 2011).

Mein Opa Otto hatte seinen Onkel Ernest nie kennengelernt, da der Kontakt irgendwann zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg abgebrochen war. Er erzählte uns zwar von seinem Onkel, der nach Amerika ausgewandert war, doch wo genau Ernest sich niedergelassen hatte, wusste keiner so genau.


Im Jahr 2013 machten meine Eltern eine Rundreise in der Gegend der Great Lakes in Amerika. Sie waren gerade in der Nähe von Minneapolis im Hotel angekommen, als sich mein Papa zufällig mal wieder bei Ancestry einloggte und eine Nachricht von Ernests Enkelin fand, die gemeinsam mit ihrer Mutter Elsie auf der Suche nach ihren deutschen Verwandten war. Da meine Eltern gerade nur etwa drei Stunden Autofahrt entfernt waren, planten sie spontan einen Ausflug auf Elsie's Farm nach Graham Lakes ein. Sie besuchten dort Elsie und ihren Sohn Glenn, der die Farm bewirtschaftet - seither stehen besonders mein Papa und Elsies Tochter im Mailkontakt und wir freuen uns sehr, unsere amerikanischen Verwandten gefunden zu haben!

Die verwendeten Quellen sind in folgendem Quellenverzeichnis aufgelistet:

Quellenverzeichnis Ernest Kemmner
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